NORBERT PÜMPEL

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Apricot Disaster
Tusche, Pigment, Aquarell und Acryl
auf Büttenpapier, 151 x 114 cm
2009
Preis auf Anfrage




Das Bild ist eine Tatsache
Mischtechnik auf Leinwand auf Holz
60 x 50 cm
2007
Preis auf Anfrage




Asche
Mischtechnik auf Papier
90 x 126 cm
2009
Preis auf Anfrage


Die Wirklichkeit funktioniert ästhetisch. Alles, was ist, bestimmt indem es ist und als Welt erfahren wird, diese ästhetische Funktion.
Alles ist bedeutend oder unbedeutend gleichermaßen.
Norbert Pümpel 2002

Im Zentrum des künstlerischen Oevres von Norbert Pümpel stehen seit vielen Jahren naturwissenschaftliche Fragestellungen. Die Auflösung der Materie, die Schau hinter die materielle Hülle der Dinge – Grundprinzipien unseres Daseins werden thematisiert. Seine Arbeiten verdeutlichen die Relativität jedes Bezugsystems, er verlässt gewohnte Koordinatensysteme, zeichnet den Tanz der Elementarteilchen, wie er selbst formuliert. Die Zusammenhänge von Welt und Idee, Mensch und Materie, die Abstraktion des mathematischen Symbols werden künstlerisch ausgelotet und umgesetzt. Diese konsequente Erarbeitung eines künstlerischen Instrumentariums zur Visualisierung von Erkenntnissen der modernen Physik, der Wahrscheinlichkeitstheorie wie der eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt seinem Werk eine besondere Bedeutung.

Christoph Bertsch, in:
Kunst in Tirol, Innsbruck, 2007 S.694





Harald Kimpel über die Hiroshima- und Nagasaki- Bilder aus den Jahren 1989 und 1990

1989/90 mündet diese Konzeption in die jüngste Bildserle, die N. Pümpel „Vorhänge“ nennt. Wieder schließt der durchgängige Hintergrund aus Asche die Manifestation seiner Bildinhalte von der dinglichen Wirklichkeit ab. Nun aber sind die zuvor anonymen Schauplätze lokalisiert, die hypothetischen Ereignisse re-individualisiert, Mittel, Ort, Konsequenzen des physikalischen Geschehens im Bild beim Namen genannt — „HIROSHIMA“: historischer Bezugspunkt des Bildes, „ATOM 238,029“: die Masse jenes Uranatoms, welches zur Auslöschung der Stadt führte, „9. 8. 1945“: Datum des Bombenabwurfs. Die in den Bildtiteln angesprochenen Vorhänge fallen als schwarze Übermalungen: bedrohliche Farbmassen, die seitlich sich ins Bild schieben, die gemalte Erkenntnis bedrängend das Fachwissen auslöschend. Mit dieser Negationsgeste, die von den Rändern her ins Bildfeld eingreift und die Klarheit der Formel verschleiert, thematisiert N. Pümpel „die prinzipielle Unmöglichkeit ganzheitlicher Erkenntnis“: Absagen an die Illusion einer verantwortungsbewußten Wissensverwaltung. Denn seit den antiken Bemühungen um Welterkenntnis wird jede gewonnene Information beschränkt von der Unendlichkeit des Noch-Nicht-Wissens - aber auch von der auf dringlichen Präsenz obskurantistischer Kräfte: noch vor das elaborierteste Wissen zieht sich der Vorhang schwärzester Ignoranz, stets zeigen „Schleier-Philosophen und Welt-Verdunkler“ (Nietzsche) ihre Macht gegenüber den Grundlagen aufklärerischen Weltverständnisses: die Chance des Begreifens erlischt im Lichtblitz der Bombe. Konsequenterweise sind daher Vorhänge in N. Pümpels neuesten Bildern (Reminiszenzen an Barnett Newmans „White Fire IV“, 1968) weiß.

Heute also werden die Möglichkeiten einer von Verantwortung geprägten Grundlagenforschung weniger gefährdet durch inquisitorische Interventionen, als vielmehr durch die Nutzungsansprüche der politischen Macht. Hiroshima und Nagasaki sind Wirklichkeit geworden durch Kenntnis, als „Scientific Disasters“ belegen sie das Versagen des Vorstellungsvermögens. Die bedrohliche Beschränktheit heute liegt in der Unmöglichkeit, im Handeln zugleich dessen Folgen mitdenken zu können. Ein Erkenntnisschritt, der die Macht der schwarzweißen Vorhänge in Grenzen hält, kann daher nur in die Nichtanwendung des Wissens münden: in Verzicht auf die von der beherrschten Theorie nahegelegte unbeherrschbare Praxis. Wenn Wissen Macht ist, darf die einzige Form ihrer Ausübung die Verweigerung ihrer Anwendung sein.

Harald Kimpel im Katalog N. Pümpel, ATOMOS 238,0289, Landeck, Wien 1990